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Eine Revolution der Physik?

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Hochpotenz-Homöopathie kann nur funktionieren, wenn alle diese notwendigen Bedingungen gemeinsam erfüllt sind. Andererseits würde bereits jede einzelne Bedingung im Falle ihrer Erfüllung die heutigen Naturwissenschaften als grob unvollständig nachweisen. Physik und Chemie kennen keine Veränderung einer Lösung durch Schütteln („Schütteln“ als Verarbeitungsschritt kommt in Römpps Chemielexikon gar nicht vor), keine Abhängigkeit von der Art der Verdünnung, keine geistartige Kraft (weder in Anwesenheit noch in Abwesenheit der Urtinktur), keine Unterscheidung der Urtinktur von den Nebenbestandteilen und keine Speicherung von Information in einer Flüssigkeit, weil deren Moleküle – von kurzlebigen kristallähnlichen Wassermolekülverbänden abgesehen, die als Cluster bezeichnet werden – in ständiger ungeordneter Bewegung sind.

Ich behaupte wohlgemerkt nicht: „Aus der Physik folgt, dass das Phänomen X nicht existiert“, sondern treffe nur die schwächere, leicht prüfbare Aussage „Wenn das Phänomen X existiert, ist die Physik grob unvollständig, weil sie dieses Phänomen nicht kennt“. Dabei bedeutet „grob“, dass die Vervollständigung der Physik, also die Schließung der Wissenslücke, nobelpreiswürdig wäre. Bei der Erfüllung der oben genannten Bedingungen handelt es sich nicht um geringfügige Ergänzungen, sondern um radikale Änderungen der gegenwärtigen Lehre, qualitativ vergleichbar z. B. mit der Entdeckung der Kernspaltung.

Homöopathie-ähnliche Verfahren

Als homöopathieähnlich bezeichne ich die Verfahren, die sich zwar in ihrer Krankheitslehre sowie ihrem Menschen- und Naturbild grundlegend von der Hahnemann-Homöopathie unterscheiden, in der Medikamenten-Herstellung jedoch ähnliche Verfahren verwenden. Dies sind vor allem die anthroposophisch erweiterte Heilkunst nach Rudolf Steiner und die Spagyrik, die insgesamt der Esoterik zuzurechnen sind.

Rhythmische Präparate

In der anthroposophisch erweiterten Heilkunst, deren Präparate überwiegend von den WELEDA-Werken hergestellt werden, spielen kosmische Rhythmen eine wichtige Rolle. So schreibt der anthroposophische Arzt Otto Wolff: „Durch das Studium der kosmisch-ätherischen Kräfte, die der Pflanzenbildung zugrunde liegen, ist es möglich, diese in besonderer Weise, das heißt durch rhythmische Behandlung der Säfte, wirksam werden zu lassen und damit die Heilwirkung zu erhöhen. Es wurden besondere Verfahren ausgearbeitet, um mit Hilfe von rhythmischen Prozessen kosmische Kräfte in die Substanzen einwirken zu lassen“ (Bühler und Wolff 1992, S. 25). Wenn das stimmt, ist die Physik grob unvollständig, weil sie keine „kosmisch-ätherischen“ Kräfte kennt.

Die rhythmischen Prozesse werden im HAB1 folgendermaßen realisiert: „Rh-Urtinkturen nach Vorschrift 21 werden aus frischen Pflanzen (…) hergestellt. (…) Der Presssaft wird (…) bis zur vollständigen Vergärung dem nachfolgend beschriebenen tageszeitlichen Warm-Kalt-Rhythmus („Rh“) ausgesetzt. Der Presssaft wird morgens im Lauf von mindestens 30 Minuten auf etwa 37°C erwärmt und dann auf dieser Temperatur gehalten. Abends wird er im Laufe von mindestens 30 Minuten auf etwa 4°C abgekühlt und dann auf dieser Temperatur gehalten. Innerhalb jeder Erwärmungs- und Abkühlungsphase wird das Ansatz-Gefäß mindestens 10 Minuten lang geschüttelt.“

Demnach hätte die Wärmebehandlung im Tagesrhythmus einen Einfluss auf das Medikament. Die Physik kennt hingegen keine Abhängigkeit der physikalisch-chemischen Abläufe von der Tageszeit. Wenn der Belladonnasaft weiß, wieviel Uhr es ist, dann ist die gesamte Wissenschaft seit Galilei grob unvollständig. Der Widerspruch zur Physik ließe sich vermeiden, wenn die Gärungserreger als Lebewesen mittels ihrer biologischen Uhr einem Tag-Nacht-Rhythmus unterlägen und so den Rh-Effekt bewirkten. Diese Frage wäre an die Experten der Brauerei- und Brennerei-Industrie zu richten. Das wäre aber eine naturwissenschaftlich erklärbare Wirkung, nicht der von Rudolf Steiner angenommene kosmozyklische Einfluss. Bei einem physikalisch-medizinischen Test (z. B. an Belladonna Rh D30, WELEDA-Werke) wäre der Vergleich durchzuführen mit einem Medikament, bei dem die zyklische Wärmebehandlung zwischen denselben Temperaturen, jedoch mit der Vertauschung von morgens und abends durchgeführt wurde.

 

  
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